Albrecht Kobler im Gespräch

(04.03.2018) Albrecht Kobler ist seit vielen Jahren eine Säule der Stiftskirchengemeinde. Seit 2007 ist er Vorsitzender des Kirchengemeinderats und regelt in dieser Funktion viele Verwaltungsangelegenheiten der Stiftsgemeinde: von der Buchung des Waldheims für das nächste Gemeindefest bis zur Beauftragung der neuen Taufschale vertritt er die Stiftsgemeinde gegenüber der kirchlichen Verwaltung.

Vor vielen Jahren hat Albrecht Kobler den ersten ‚Alpha-Kurs‘ in der Stiftskirche initiiert und ist bis heute an dieser Arbeit beteiligt, die Menschen die wichtigsten Inhalte des christlichen Glaubens näherbringen möchte. Außerdem organisiert er die Mittagsgebete und hilft als ehrenamtlicher Mesner aus. Seit seinem Ruhestand als Vermessungsingenieur bringt er sich jede Woche mit vielen Stunden in die Arbeit der Stiftskirchengemeinde ein.

180126 Albrecht KoblerHerr Kobler, was liegt Ihnen als Vorsitzendem des Kirchengemeinderates der Stiftskirche besonders am Herzen?
Mir liegt am Herzen, dass wir in der derzeitigen spannungsreichen Zeit streiten können, aber uns in Jesus Christus eins sind. Und mir ist wichtig, dass wir uns, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung oder unterschiedlicher Glaubensprägung sind, gegenseitig annehmen können. Zudem liegt mir sehr am Herzen, dass uns nicht die Themen, die uns von außen aufgedrängt werden, in Beschlag nehmen, sondern wir unserem eigentlichen Auftrag nachkommen können.

Seit wie vielen Jahren sind Sie Kirchengemeinderat?
Seit 2001 bin ich im Kirchengemeinderat – also mittlerweile knapp 17 Jahre.

Wie viele Stunden in der Woche verbringen Sie gedanklich oder tatsächlich für Ihr ehrenamtliches Engagement?
Das habe ich noch nie gezählt. Die Zeiten verteilen sich auf so verschiedene Themen, Aufgaben, Menschen und Gruppen – beispielsweise den Kirchengemeinderat selbst, das Mittagsgebet, die ehrenamtlichen Mesner, den Alphakurs – und das ist bestimmt noch nicht alles. Aber - das alles mache ich sehr gerne!

Wie war es bei den Schwerpunktthemen voriges Jahr anlässlich des Reformationsjubiläums oder 2016, als der Kirchentag hier zu Gast war?
Wenn Sie die Zeit meinen, die ich dafür aufwandte – die habe ich auch nicht gezählt. Aber ich bin dankbar, dass ich als Rentner Zeit hierfür habe, dies´ auch wirklich tun kann und darf.

Was war Ihr bislang berührendstes Erlebnis als Kirchengemeinderat?
Generell gilt für mich, dass ich mich über Begegnungen mit Besucherinnen und Besuchern unserer Kirche freue, denen ich etwas über unsere predigenden Fenster oder die erzählenden Skulpturen vermitteln kann. Oder wenn Teilnehmer des Mittagsgebets zu erkennen geben, dass ihnen das Innehalten vor Gott gut getan hat. Ein Erlebnis hat mich besonders erfreut, als nach einem Mittagsgebet jemand zu mir kam und darum ganz selbstverständlich bat, gesegnet zu werden. Den Segen habe ich ihm gerne zugesprochen. Manche persönlichen Begegnungen bei den vielen Fest- und Trauergottesdiensten waren für mich berührend. Hervorheben möchte ich die letzte Begegnung mit Altlandesbischof Sorg anlässlich des Festgottesdienstes zur 50jährigen Wiedereröffnung der Stiftskirche. Wie er in einem kleinen Kreis berichtete, was ihm als Verkündiger immer wichtig war, daran erinnere ich mich sehr stark.

Gab es auch bedrückende Erfahrungen?
Bedrückend – ich weiß nicht. Vielleicht trifft es das Wort „schwierig“ eher. Und als schwierig empfinde ich es, wenn in manchen Zeitungen Stimmung gemacht wird und dabei die Sachlage – und damit meine ich die Gemeindesituation verzerrt wiedergegeben wird. Eine weitere schwierige Phase ist schon zehn Jahre alt, aber das war die Vakaturzeit um 2007/2008, in der manche Gemeindeglieder sehr ungeduldig wurden, während des Wartens auf den neuen Pfarrer.

Inwieweit darf sich ein Kirchengemeinderat gesellschaftspolitisch engagieren?
Als Christen leben wir in der Gesellschaft. Es wäre wünschenswert, dass sich Christen (ihre Eignung vorausgesetzt) in politischen Gremien - von ihren Kirchengemeinden unterstützt - aktiv einbringen.

Was verstehen Sie unter einer lebendigen Kirchengemeinde?
Unser Umgang miteinander und die Begegnung mit Besucherinnen und Besuchern oder Gästen soll von der Liebe Gottes geprägt sein. So wie es in Johannes 13, 35 steht: “Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“. Übertragen in den Alltag, könnte der Auftrag lauten, dass wir einen transparenten Umgang miteinander pflegen, dass wir miteinander reden und uns in unserer Unterschiedlichkeit annehmen sollen.

Womit motivieren Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen im Kirchengemeinderat?
Das brauche ich gar nicht - ich bin dankbar, dass alle von sich aus so engagiert bei der Sache sind.

Gibt es einen Psalm oder einen Bibelvers, der Sie trägt?
Da gibt es zwei - zum einen Römer 8, 38 f.: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn“. Und Johannes 10, 28: „Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen“.

Jedes Jahr stehen jedem von uns 31.536.000 Sekunden zur Verfügung. Wofür haben Sie im Jahr 2017 am meisten Zeit aufgewandt?
Ich habe bei keiner Tätigkeit die Stoppuhr dabei gehabt, von daher kann ich diese Frage leider nicht beantworten.

Wofür sind Sie dankbar?
Im Blick auf unsere Kirche und Gemeinde bin ich sehr dankbar, dass wir mitten in der Stadt unsere Kirche jeden Tag aufmachen und Besucherinnen sowie Besucher einladen können hereinzukommen, damit sie innehalten können. Und das schon seit mehr als 70 Jahren in Frieden und Freiheit. Dankbar bin ich auch dafür, dass wir für die zahlreichen und vielfältigen Aufgaben in unserer Kirchengemeinde so viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben und, dass alle - Hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeitende - zu einem guten Miteinander beitragen. Dankbar bin ich auch für die vielen Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen, für die regelmäßigen Besucher des Mittagsgebetes und unserer Gottesdienste und für viele Gäste aus anderen Teilen der Welt.

Was wünschen Sie sich persönlich und für die Stiftskirchengemeinde Stuttgart?
Mein Wunsch ist, dass in der Stiftskirche weiterhin in versöhnter Verschiedenheit mit anderen Gemeinden der Stadt die frohe Botschaft verkündigt wird, gemäß Matthäus 28,19 f.: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“.

Zum Schluss noch ein paar Fragen eher persönlicher Art:

Kanadische Wälder oder Schwäbische Alb?
Die Weite Kanadas, auch der Menschen dort. Aber auch die Alb mit ihrer Schönheit.

Rostbraten oder Sojageschnetzeltes?
Es muss nicht immer Rostbraten sein. Geschnetzeltes ja, aber muss es wirklich aus Soja sein?

Rotwein oder Rothaus?
Alles zu seiner Zeit - Rotwein zum Genießen, Rothaus gegen den Durst.

Bachkantate oder Gospel?
Mehr Bachkantaten als Gospel…

Skatblatt oder Romanblätter?
Warum nicht beides?

VfB-Stadion oder Gartenlaube?
Eine Laube gibt es nicht. Wenn Garten, dann die Arbeit im Garten, die meistens (!) Freude macht. Und der VfB – immer, aber nicht im Stadion!

 

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