Unterwegs mit dem pfiffigen „Kleinen Stuttgarter“ …........

Während die Morgensonne am Himmelfahrtstag dem Stuttgarter Karlspatz mit seinen Kastanienbäumen einen besonderen Charme verlieh und die Zeiger der Stiftskirchenuhr auf acht Uhr standen, machte sich der vollbesetzte „Kleine Stuttgarter“ auf den Weg auf Luthers Spuren.

180611 Playmobil Luther

Viele der Mitreisenden lebten schon länger in großer Vorfreude auf diese Gemeindereise der Stiftskirchengemeinde. Sie wurde bewusst im Nachklang zum 500jährigen Reformationsjubiläum für dieses Jahr geplant. Was von langer Hand wunderbar von einem kleinen Team vorbereitet worden war, durfte nun endlich wahr werden.

Das erste Etappenziel waren Eisenach und die Wartburg, auf der Martin Luther sich als Junker Jörg versteckt hielt und in dieser Zeit das Neue Testament in nur elf Wochen ins Deutsche übersetzte. 

180611 Wartburg
Erfüllt von vielen ersten Eindrücken erreichte der kleine Stuttgarter 180611 Der Kleine Stuttgartergegen Abend Merseburg, eine Dom- und Hochschulstadt an der Saale im südlichen Sachsen-Anhalt, wo alle Mitreisenden auf zwei Hotels verteilt wurden und sich am Abend zu einem gemütlichen Abendessen trafen. 

180611 Merseburg
Vom Morgenlob mit Gebet und Lied erfüllt, machte sich der kleine Stuttgarter am nächsten Tag wiederum bei bestem Reisewetter auf den Weg nach Eisleben, der zweitgrößten Stadt im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt. In Eisleben erblickte Martin Luther das Licht der Welt, und so wurden wir durch sein Geburtshaus geführt.

Bevor jeder und jede auf eigene Faust in Eisleben auf Luthers Spuren unterwegs war, kam es noch zu einer eindrücklichen Begegnung mit Jutta Fischer, der Oberbürgermeisterin der Stadt Eisleben. Sie empfing uns als ganze Reisegruppe auf dem Rathausbalkon und lud uns anschließend zu einer Gesprächsrunde ins Rathaus ein. Stiftspfarrer Matthias Vosseler hatte diese Brücke gebaut.

180611 Eisleben
Ehe wir Eisleben verließen, war der Besuch der St.Petri-Pauli-Kirche noch ein Muss. Diese spätgotische Hallenkirche ist vor allem bedeutsam, weil dort am 11. November 1483 Martin Luther getauft wurde. Nach zweijähriger grundlegender Sanierung und Neugestaltung erscheint die Kirche heute in einem hellen Gewand. Sie wurde 2012 als „Das Zentrum Taufe in Lutherstadt Eisleben“ eröffnet, mit einem großen Taufbecken in der Kirchenmitte.

Der sich anschließende Besuch von Mansfeld hinterließ bei den Reisenden, wie so vieles in diesen Tagen auf Luthers Spuren, einen bleibenden Eindruck. Die vielen wertvollen Ergänzungen unseres Reiseleiters, Pfarrer Matthias Vosseler, bereicherten uns sehr. Er erzählte wie ein mitfahrendes Geschichtsbuch aus seinem reichen Geschichtsschatz.

In der Lutherstadt Mansfeld ließ sich die Familie Luder wenige Monate nach der Geburt ihres Sohnes Martin nieder. Der Vater gründete ein Unternehmen und war ein erfolgreicher Hütten- und Bergwerksbesitzer. Hier verbrachte Martin Luther 13 Jahre, seine Schulzeit und Jugendzeit, knüpfte viele Freundschaften und blieb zeitlebens dieser Grafschaft verbunden.

Auch der Besuch der Kirche St. Georg in Mansfeld war ein Muss. Sie beherbergt u.a. ein Portrait des Reformators, gemalt von Lucas Cranach. Hier ging Martin Luther als Kind und Jugendlicher aus und ein. In dieser Kirche war er Ministrant und an diesem Ort erwachte seine große Liebe zur Musik und zum Singen.

Am Nachmittag brachte der kleine Stuttgarter uns nach Bad Frankenhausen, wo unübersehbar auf einer grünen Anhöhe ein besonderes Museum thront: das Panoramamuseum, auch als Sixtina des Nordens bezeichnet. Wo einst die entscheidende Schlacht des deutschen Bauernkrieges unter der Führung von Thomas Müntzer geschlagen worden war, schuf der „Altmeister der Leipziger Kunstschule“ Werner Tübke ab 1976 im Auftrag der Regierung der DDR ein riesiges Panoramabild. Dabei verzichtete er auf ein monumentales Schlachtengemälde nach Vorbild russischer Heldenverehrung. Stattdessen malte er den Bauernkrieg als Leidensgeschichte der Menschheit, darin verwoben viele geschichtliche und biblische Szenen, gebettet in den Lauf der Jahreszeiten. Wer den Raum betritt, fühlt sich am Anfang wie erschlagen von den dreitausend gemalten Figuren und Szenen, die sich, bis zu vier Meter hoch, auf insgesamt 1722 Quadratmeter erstrecken. Erst nach und nach, wenn das Auge sich an diese Bilddimension gewöhnt hat, erschließen sich viele kostbare Details. In den ersten drei Jahren stand Werner Tübke mit vielen Künstlerfreunden bis zu zehn Stunden täglich auf dem Gerüst. 1987 setzte er unter dieses sehenswerte und eindrückliche Werk, das die DDR damals 96 Millionen Mark gekostet hat, seine Signatur.

Während rechts und links der Autobahn auf der Heimfahrt blühende Rapsfelder in der Abendsonne leuchteten, konnte jede und jeder noch einmal den Eindrücken dieses zweiten Reisetages nachsinnen und nachempfinden. Dankbar und erfüllt von diesem Tag ließen wir uns von unserer souveränen Busfahrerin wieder zurück nach Merseburg bringen. Der Abend stand zur freien Verfügung. Nach einem gemütlichen Abendessen suchten manche noch Entspannung im hoteleigenen Schwimmbad oder spazierten im nahegelegenen Park, unser Stiftspfarrer schnürte noch seine Laufschuhe.

Der dritte Tag führte uns ins Lutherhaus nach Wittenberg. Nach der Auflösung des ehemaligen Klosters, in dem Martin Luther als Mönch wohnte, übereignete man ihm einen Teil des Hauses, und dort wohnte er mit seiner Frau Katharina von Bora und der ganzen Familie.

180611 Wittenberg LutherNach einer Mittagspause in der wunderschön renovierten Altstadt führten uns zwei Stadtführerinnen durch Innenstadt, Stadtkirche St. Marien und Schlosskirche.

180611 Wittenberg SchloßkircheAufschlussreiche Erklärungen bekamen wir z. B. über den berühmten Lukas Cranach Altar, die Tür, an der Luther seine 95 Thesen veröffentlicht haben soll, oder auch das Cranach-Haus.

Am letzten Tag ging es, nach einer sonntäglichen Andacht im Bus, nach Erfurt. Hier besuchten wir das Augustinerkloster, in dem Luther zwischen 1505 und 1511 als Mönch lebte. Die Mittagspause lud zu einem Spaziergang durch die wunderschöne Altstadt ein oder zu einem Besuch des Domberges mit dem Dom und der Kirche St. Severi.

180611 ErfurtVom durch den Wochenmarkt fröhlich und bunt belebten Domplatz fuhren wir am Nachmittag gen Heimat ab und kamen planmäßig gegen 20 Uhr in Stuttgart an.

Die fröhliche Gemeinschaft und die vielen Erfahrungen und Eindrücke haben die Überlegung aufkommen lassen, ob nicht bald wieder so eine schöne Reise machbar wäre. „Auf den Spuren von ……..“?

 

Bilder: Dr. Christoph Hoeger (erstes Bild), Robert Fischer (alle weiteren Bilder)

 

 

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