„Mein Wunsch? Ein blühendes Gemeindeleben“

Antje Kientsch ist seit elf Jahren Kirchengemeinderätin. Wie kam sie zu diesem Amt?

Nein - dieser Aufgabe fühlte sie sich nicht gewachsen. Als zu zurückhaltend und unsicher empfand sie sich, um direkt nach der Konfirmation bei der Kinderstunde mitzuarbeiten. Aber die damalige Gemeindediakonin Gisela Klein ließ nicht locker: „Antje, Du bist genau die Richtige dafür!“ Und so ließ sich Antje Kientsch überreden – Jede Woche fuhr sie von da an mit Bus und S-Bahn von Ludwigsburg nach Stuttgart zur Kinderstunde.

Mittlerweile hat Antje Kientsch 30 Jahre mehr Lebenserfahrung und leitet seit elf Jahren die diversen Teams des Kindergottesdienstes („KiGo“) der Stiftskirche. „Man wächst eben mit seinen Aufgaben und mit dem, was Gott einem anvertraut“, sagt die dreifache Mutter und strahlt dabei aus ihren ruhigen, dunkelbraunen Augen. „Und man muss seinen eigenen Stil finden.“

181030 Bild Antje Kientsch„Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat mich schon immer besonders gereizt“, gibt sie zu. Als frisch gebackene Konfirmandin war ihr das aber natürlich noch nicht klar. Gleich aus der Rolle der Elevin in die einer Trainee zu schlüpfen (wobei dieses Wort damals noch nicht üblich war), ist durchaus herausfordernd. Da war es Glück und Gottes gute Fügung, dass sie von der erfahrenen Religionspädagogin Gisela Klein viel lernen konnte.

„Während der ersten Monate habe ich richtig geübt, wie man Geschichten so erzählt, dass Kinder auch gerne zuhören“. An Ideen, welche Texte geeignet sein könnten, mangelte es ihr, „einem richtigen Bücherwurm“, wie sie sich heute selbst lachend beschreibt, nicht. So nahm sie einige Texte auf Kassette auf und hörte sie danach ab. Auf die Weise lernte sie ihre Stimme, die anfangs fremd klang, besser kennen und konnte das Modulieren, das langsame, deutliche Sprechen und die Pausensetzung richtig trainieren. Es war fast wie ein Rhetorik-Kurs im Selbstversuch. Und – das Experiment gelang!

„Manchmal saßen die Kinder eine Viertelstunde lang mit großen Augen da und hörten gebannt zu. Davon kann man heute nur träumen“, sagt sie. Die Zeitfenster, in denen die Kinder einem heute ihre Aufmerksamkeit schenken, sind deutlich kleiner geworden. „Da muss man schon mit bewegten Bildern oder irgendwelchen Bewegungsaktionen kommen, damit sie bei einem bleiben.“ Selbst eine Handpuppe fesselt heute nur noch die ganz Kleinen.

Die Kinderstunde in den 80er Jahren war für Antje Kientsch der Einstieg in ein jahrzehntelanges ehrenamtliches Wirken für die Stiftskirchengemeinde. Kaum, dass der Stundenplan ihrer Schulklasse dafür sorgte, dass sie mittwochs keine Zeit mehr hatte, stieg sie in das Team des Kindergottesdienstes ein. Das KiGo-Team hat sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert. Antje Kientsch ist stolz auf ihr Team des Kindergottesdienstes. Hin und wieder werden Konfirmanden eingearbeitet und sie koordiniert Schulungsangebote. Das ist ihr wichtig, damit Neueinsteiger in die Kinderarbeit gutes und praktisches Werkzeug an die Hand bekommen. Gelegentlich wird das Team auch durch andere fleißige Kenner von Holz, Leinwand, Elektronik und Pädagogik ergänzt.

„Wir haben beispielsweise einen Schreiner vom Offenen Abend – der baut so geniale Bühnen aus bemalter Leinwand und Holz, dass man wirklich glaubt, an einem Tempel oder in einem Stall zu sein“, schwärmt Antje Kientsch von den Begabungen innerhalb des Kindergottesdienst-Teams. „Und Kostüme werden genäht – das ist einfach nur super!“ Für das Krippenspiel ist solches Tun unschätzbar wertvoll. Ja - das Krippenspiel … es findet zwar nur an Weihnachten statt, beschäftigt jedoch alle Mitarbeiter schon ab September.

„Direkt nach Erntedank fangen die Vorbereitungen an“, erzählt Antje Kientsch. Bis zu 60 Kinder und Jugendliche wollen in der Regel mitwirken – viel mehr als sonst das Jahr über den Kindergottesdienst besuchen. Um das Krippenspiel vorzubereiten, müssen Lieder einstudiert, Texte abgefragt und geprobt, Pantomimisches und Schauspielerisches, Bildliches und Gestalterisches systematisch und ineinandergreifend gemanagt werden. Die Proben steigern sich dann über die Buß- und die Adventszeit hinweg – bis zur mit Spannung erwarteten Aufführung, die alljährlich in der bis auf den letzten Platz besetzten Stiftskirche stattfindet. Danach ist dann erst einmal Ausatmen angesagt. Eine der drei längeren „KiGo“-Pausen ist dann dringend nötig.

Allsonntäglich versammeln sich bis zu 20 Kinder mit meist vier, fünf ehrenamtlich tätigen Erwachsenen in der Schlosskirche. „Wisst Ihr eigentlich, dass Ihr hier die schönsten Räume habt, die man überhaupt für einen Kindergottesdienst haben kann?“ Diese Frage stellt Antje Kientsch immer wieder einmal, um den Kindern auch die Achtung vor dem Stuttgarter Juwel der Schlosskirche nahezubringen. Der KiGo findet parallel zu dem Sonntagsgottesdienst der Stiftskirche statt. Bis der KiGo beginnt, spielen die Kinder oft im Innenhof des Alten Schlosses mit einem Softball (damit die kostbaren Fenster nicht gefährdet werden) oder malen, bis die Kerzen angezündet sind, mit denen dann der offizielle Einzug der Kinder zum Vorspiel und damit zum Gottesdienst erfolgt. Es gibt einen kindlichen liturgischen Teil, eine biblische Geschichte und immer wieder einmal auch ein Lebensbild oder eine eigene Einheit, wenn die Vorgaben des Kindergottesdienst-Plans der Landeskirche dem Team ungeeignet scheinen.

James Irwin beispielsweise, der achte Mensch, der den Mond betrat, war einer der Menschen, die über ein „Lebensbild“ den Kindern nahegebracht wurden. „Wir wollen im Kindergottesdient den Kindern vermitteln, dass sie einen liebevollen Vater im Himmel haben und dass Jesus ihr Heiland sein will. Sie sollen die fröhliche Gemeinschaft von Christen erleben können. Immer wieder erklären wir den Kindern auch, wie gut wir es hier in Deutschland haben, weil wir uns offen zu unserem Glauben bekennen können.“

Dafür ist Antje Kientsch ganz besonders dankbar: „Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass man in seiner Heimat seinen Glauben offen leben darf. Wenn man die Staatssysteme sieht, in denen Menschen wegen ihres Glaubens politisch verfolgt werden, dann haben wir es hier so gut; für uns ist es so einfach, unseren Glauben zu leben!“ sagt sie.

Obwohl Antje Kientsch drei Kinder und damit einen größeren Haushalt zu führen hat und auch ihre berufliche Tätigkeit als Sozialversicherungsfachangestellte sie fordert, engagiert sie sich schon seit Jahrzehnten in der Stiftskirchengemeinde. „Die Stiftskirche ist meine geistliche Heimat. „Ich bin hier nicht nur konfirmiert worden, sondern auch zum Glauben gekommen, habe Freunde gefunden und mich zu Hause gefühlt“, sagt Antje Kientsch. Sie erzählt, mit welcher Freude sie sonntags gemeinsam mit ihren beiden älteren Schwestern und Eltern in die Stiftskirchengemeinde ging. Die Gottesdienste waren für sie Ermutigung zum Glauben. Besonders die Jugendgottesdienste begeisterten sie. Lebhaft erinnert sie sich z.B. noch an „Theo live“, als sie zusammen mit -zig anderen Jugendlichen den Vorträgen von Theo Lehmanns, einem Pfarrer in der damaligen DDR, zuhörte.

Heute hat sich die Situation der Stiftsgemeinde verändert. Dennoch arbeitet Antje Kientsch engagiert mit. Seit 2007 ist die Ludwigsburgerin Kirchengemeinderätin. Neben ihren Aufgaben im Bereich Kinderarbeit, setzte sie sich für die Evangelisation ProChrist ein, die Außenstehende zum Glauben einladen möchte. Sie kümmerte sich um die Familienarbeit und unterstützte bei Gemeindefesten oder auch bei den Kindernachmittagen in der Stiftskirche.

Der Vers eines unbekannten Autors motiviert sie bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit: „Das will ich mir schreiben in Herz und Sinn: dass ich nicht für mich auf Erden bin, dass ich die Liebe, von der ich lebe, liebend an andere weitergebe.“ Und diesem Vers entsprechend gestaltet sie ihr Familienleben: „Mein Mann und ich versuchen, unseren Kindern im Alltag und sonntags als Eltern christliche Vorbilder zu sein. Kinder schauen sich ja bei Mama, Papa und den Großeltern alles Mögliche ab. Wenn wir alle zwei Jahre unseren Sommerurlaub auf einer christlichen Freizeit verbringen, dann erleben wir besonders intensiv mit unseren drei Kindern, dass wir in einer Gemeinschaft mit Christen fröhlich unterwegs sein können. Und das tut so gut!“

Antje Kientsch schätzt die Gemeinde als einen Ort, an dem Jung und Alt miteinander Gott loben, auf ihn hören und ihm dienen kann. „Deswegen ist uns unser Trauspruch wichtig“, lächelt Antje Kientsch und zitiert Kolosser 2 Vers 7: „Seid in ihm verwurzelt, baut euer Leben auf ihm auf. Bleibt im Glauben fest und lasst euch nicht von dem abbringen, was euch gelehrt worden ist. Für das, was Gott euch geschenkt hat, könnt ihr ihm nicht genug danken.“ (Neue Genfer Übersetzung).

Und was wünscht sich die Kirchengemeinderätin Antje Kientsch nach elf Jahren in diesem Ehrenamt? „Ein blühendes Gemeindeleben in Stifts – auch nach der Konfirmation!“ sagt sie. Ohne eine Sekunde nachzudenken. Und mit einem entschlossenen Blick.


Und hier noch ein paar Fragen der „anderen Art“:

Spätzle oder Sushi?
Ganz eindeutig Spätzle.

Auto oder Stadtbahn?
Eigentlich Auto, aber in Stuttgart ist Autofahren und vor allem einen Parkplatz finden eine ganz schöne Herausforderung.

Alpen oder Nordsee?
Mittelmeer!

Erziehung bedeutet für mich …
…eine herausfordernde Aufgabe, für die es viel Liebe und Geduld braucht.

Scrabble oder Skat?
Skat!

Oper oder Musical?
Musical und Oper und klassisches Konzert.

Wörter oder Zahlen?
Wörter.

Keith Haring oder Emil Nolde?
Keith Haring? Nie gehört. Nolde ist immer gut, zum Beispiel „Der große Gärtner“.

Probleme löse ich am einfachsten, wenn ich …
…eine Nacht darüber schlafe, mich mit meinem Mann bespreche und auch Gott um Rat frage.

Kinder sind …
…etwas Einmaliges, Wunderschönes, ein Geschenk Gottes; sie bereichern mein Leben, wenn es auch manchmal anstrengend ist.

 

Photo: privat

 

 

 

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