Eine Premiere: Theater in der Stiftskirche

Zwei Männer und ihre Nacht mit Luther

Was hat Luther uns heute noch zu sagen? Im Jahre 2019, gerade mal zwei Jahre, nachdem der Reformator beim 500-jährigen Jubiläum ausführlich gewürdigt, besprochen, seine Aussagen diskutiert worden sind? Doch was und wie Luther zu seinen Zeiten dachte und schrieb, das kann den Menschen auch heute noch wertvolle Einsichten vermitteln. Das bewies eine ungewöhnliche Veranstaltung bei uns in der Stiftskirche: „Eine Nacht mit Luther“.

191022 Theater Stiftskirche red

Hinter dem Titel verbirgt sich ein Zwei-Mann-Theaterstück des Freien Theaters Berlin. Benjamin Stoll und Rolf Dieter Degen sowie die Regisseurin Monica Degen ließen den Theologen auf ungewöhnliche Art und Weise wieder lebendig werden. Horst, ein gläubiger bayerischer Katholik, und Thomas, ein ungläubiger preußischer Protestant, verbringen gezwungenermaßen eine Nacht zusammen im Zimmer eines Klosters. Beide tragen, zunächst unausgesprochen, an persönlichen Problemen. Horst droht die Trennung von seiner Ehefrau, Thomas hat den Unfalltod seiner 13-jährigen Tochter nicht bewältigt. In dieser Nacht spukt Luther gewissermaßen über die Bühne. Halb träumend, halb schlafwandelnd erfahren und spielen die beiden Männer abwechselnd Szenen aus dem Leben des Reformators, zitieren aus seinen Schriften und Briefen. Das überraschende Ergebnis nach aufregenden Szenen: Beide bekommen durch das Gottvertrauen Luthers, das sie in diesen dunklen Stunden verstehen lernen, neuen Mut, auch ihre Probleme zu lösen.

Die Botschaft dieser anderthalb Stunden: Martin Luther ist unverändert aktuell und kann uns auch persönlich noch viel sagen – man muss sich nur auf ihn einlassen. „Eine Nacht mit Luther“ war eine Premiere, das erste Theaterstück in der Stiftskirche. Rund 240 Besucher haben sie erlebt und spendeten Stoll und Degen für ihr starkes und überzeugendes Spiel reichlich Beifall.

 

Text: Arnd Bäucker

Foto: Claus-Dieter Stoll