Evangelische Stiftskirche Stuttgart

Mitten im Leben

Wenn die Saat aufgeht ... - Hildegard Kögel seit Jahrzehnten in der Stiftskirchengemeinde aktiv

(12.01.2020) Wenn es eines Beweises bedürfte, dass Glauben wie ein Samenkorn in einen Menschen hineingelegt und in ihm aufgehen kann, wäre Hildegard Kögel das Ideal dieses Beweises. Die gebürtige Sächsin gehört zu den reifsten – oder weniger charmant formuliert ältesten – Frauen der Stiftskirchengemeinde und hat im Laufe der Jahrzehnte unendlich viele Aufgaben für die Kirchengemeinde übernommen, oft, ohne wirklich wahrgenommen zu werden.

Dieses stille Wirken in den oft dunklen Winkeln der ehrenamtlichen Tätigkeit soll in den folgenden Zeilen beleuchtet werden und damit beispielhaft unsere kostbaren ehrenamtlichen älteren Mitarbeiterinnen der Stiftsgemeinde ins Blickfeld rücken.

Zu Beginn sah es gar nicht so aus, als ob Hildegard Kögel, geborene Riedel, mit Kirche, mit Glauben oder mit Gott etwas am Hut haben könnte. Im Jahre 1930 im sächsischen Burgstädt als siebtes und jüngstes Kind ihrer Eltern auf die Welt gekommen, zog es sie auf der Suche nach Arbeit ihrer älteren Schwester folgend 1948 nach Stuttgart. Sechs Jahre nach ihrer Ankunft im Schwäbischen heiratete sie und bekam mit ihrem Mann Paul Kögel zwei Söhne. Noch hatten weder Hildegard Kögel noch ihre junge Familie irgendeinen Bezug zum Glauben oder zur Kirche, ihre Kinder wurden nicht getauft und erhielten keine christliche Erziehung. Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, von Ihrem Ehemann getrennt lebend und in den Stuttgarter Westen umgezogen, entdeckte Hildegard Kögel im Laufe der Zeit, von Ihrem neuen Wohnort aus, die Stiftskirche.

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Hin und wieder besuchte sie das Mittagsgebet, dann den Kurzgottesdienst – und so allmählich kehrte die Erinnerung an Erzählungen ihrer Großmutter zurück. Die hatte der siebenköpfigen Enkelschar noch in Sachsen von Jesus erzählt. Dieser Same begann in Hildegard Kögel zu keimen. Jesus hatte viel Gutes für andere Menschen getan, er hatte gehandelt, und Hildegard Kögel begann zu handeln: Zuerst verrichtete sie ihren Dienst während der Renovierung des Stiftskirchengebäudes im Container vor der Stiftskirche am Infostand, später dann im Wächterdienst. Sie teilte den Gemeindebrief aus, war im Seniorenkreis aktiv und diente Gott und den Gottesdienstbesuchern durch das Reinigen der Stiftskirche. Auf diesem Weg war Stiftsmesnerin Hanna Friedrich für sie eine wichtige Brückenbauerin in die Tätigkeiten und in die Gemeinde hinein.

Auch außerhalb der Kirche packte Frau Kögel zu. Sie war sich auch nicht zu schade, Hundekottüten in die dafür vorgesehenen Behälter ihres Wohnviertels zu verteilen oder Kinderspielplätze von Unrat zu befreien.

„Gott gibt mir Kraft", sagt die 89-jährige heute mit einem Strahlen in den Augen – und man glaubt ihr sofort, wenn sie hinzufügt: „Am liebsten arbeite ich ehrenamtlich; ohne Geld für das zu kriegen: was ich tue." Auch etwas zu spenden, bereitet ihr sichtlich Freude, und das obwohl (oder weil?) sie selbst in den frühen Jahren nicht wohlhabend war: „Wir mussten immer sparsam leben." Mit Mann und Kindern war anfangs höchstens ein Kurzurlaub, zum Beispiel in Grab bei Backnang, auf der Schwäbischen Alb oder im Taunus möglich. Aber das bedeutete ihr nicht annähernd so viel wie etwas geben zu können. Sie lebt das im Neuen Testament Geschriebene „Ich habe euch in allem gezeigt, dass man so arbeiten und sich der Schwachen annehmen muss im Gedenken an das Wort des Herrn Jesus, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen." (Apostelgeschichte 20,35 nach Luther). Und zahlreiche psychosoziale Studien belegen den unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Freude am Geben und einem tiefen inneren Glücksgefühl. „Die Bibel hat das bewirkt“, meint sie nüchtern. Sie beginnt jeden Morgen mit ihr und der Tageslosung samt Erläuterungstexten. Außerdem liest sie gerne in den Heften „Zeit mit Gott", und sie singt jeden Tag Lieder und betet für viele Menschen: nicht nur für Familie und Freunde, sondern in ganz Stuttgart und weit darüber hinaus.

Sie ist dankbar dafür, dass und wie sich ihr Glauben entwickelt hat. Darin vermutet sie letztendlich den Grund, dass gerne Leute zu ihr kämen. „Vielleicht bin ich durch Christus und die Bibel eine Art Ruhepol geworden", meint sie. Sie hat auch zu vertrauen gelernt. Nicht zuletzt dank ihres Konfirmationsspruchs: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln" (Psalm 23). Trotz mancher Zweifel über die Lebensjahrzehnte hinweg und trotz Schicksalsschlägen, vor allem im engsten familiären Bereich, ist und bleibt Gottes Liebe für sie das Größte. „Gott hat mich gerufen" sagt sie heute mit fester Stimme. Dazu passt ihr Lieblingslied: der katalanische Spruch nach Jesaia 12.2, den Jacques Berthier vor 30 Jahren für Taizé vertont hat. „Meine Hoffnung und meine Freude". Am schönsten klingt es in ihren Ohren, wenn eine große Menschenschar mit dieser Melodie vielstimmig einen großen Raum zum Schwingen bringt.

Bei Hildegard Kögel ist die Saat aufgegangen, die ihre Großmutter durch Erzählungen von Jesus gesetzt hat. Vielleicht lebt diese Saat irgendwann über eine spätere Generation weiter. So wie in Galater 6,7 geschrieben steht: „Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten."

Gemeindebrief

Den aktuellen Gemeindebrief der Stiftsgemeinde Stuttgart ansehen oder herunterladen (PDF-Datei).
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