Gedanken zur Jahreslosung 2020 von Dr. Hanna Josua (Februar 2020)

Heil-loses Durcheinander
Die Jahreslosung nimmt uns mitten in ein gravierendes spirituelles Problem hinein. Ein Mann hatte einen Sohn mit "einem Geist, der ihn sprachlos macht", der ihn schäumen und zu Boden stürzen ließ (Vers 17). Jesus sollte ihn befreien. Da die hilfesuchenden Menschen Jesus nicht antrafen, erwarteten sie, dass die anwesenden Jünger Jesu das Problem des Kindes beheben könnten. Doch die konnten das nicht. Der Druck auf sie wurde groß und sie waren ratlos. Für beide Seiten war die Situation peinlich. Jesus musste schnellstens zurück kommen!

Bald darauf traf Jesus ein. Er war auf einem Berg gewesen, wo er dem himmlischen Vater begegnet und verklärt worden war. Zurück in den Niederungen stand er nun vor einem bösen Geist. Die geistliche Herausforderung ist mit Händen zu greifen. Nachdem Jesus seine Mahnung an die Menschenmenge und an die Jünger gerichtet hatte, wich er der Konfrontation mit der satanischen Macht nicht aus.

Offensichtlich fehlte den Jüngern in dieser Situation die Vollmacht durch den Heiligen Geist, die Jesus ihnen erst unmittelbar nach seiner Auferstehung verlieh (Johannes 20,22). Noch waren sie Lernende, Bewunderer Jesu, Mitläufer, teils Zuschauer, teils Zweifler - und das trotz ihrer Sonderstellung als seine auserlesenen Begleiter.

Auch der Menschenmenge und dem bittenden Vater fehlte die letzte Gewissheit, ob Jesus etwas für den von dem bösen Geist besessenen Jungen tun könne. Darum sagt sein Vater: "Aber wenn du etwas kannst, dann erbarme dich unser und hilf uns!" (Vers 22)

Der Vater drückt seine ehrliche Haltung aus. Kann es sein, dass auch Jesus dieses langzeitkranke Kind nicht heilt? Und doch findet dieser Vater den Weg zu Jesus hin - und zwar durch Jesu Antwort, die zugleich eine geistliche Aufforderung zur Positionierung des Vaters bildet. Es geht um den Stellenwert, den der Vater für Jesus in seinem Herzen hat. Darum erwidert Jesus: "Alles ist möglich dem, der da glaubt." (Vers 23)

Doppelte Bekehrung = Heilung
Prompt kam die Antwort des Vaters: "Ich glaube! Hilf meinem Unglauben!" (Vers 24)

Mit dieser Antwort sondert sich der Vater vom "ungläubigen Geschlecht" (Vers 19) ab. Er will an die Vollmacht Jesu glauben. Er macht die Heilung seines Kindes nicht mehr zur primären Bedingung seines Glaubens an Jesus. Er wird durch die Begegnung mit Christus von dem Unglauben jenes Geschlechtes geheilt. "Ich glaube!" - das ist eine Grundaussage des Markusevangeliums. Der Vater möchte Jesus sagen, dass er glaubt, dass Jesus tatsächlich Vollmacht über die Geister hat. Dieser Glaube soll Vater und Kind helfen und beide befreien.

Wieso diese Aussage? Die zweifache Befreiung geschah am Vater und am Kind. Von klein auf wurde das Kind von diesem bösen Geist geplagt, ein normales Leben war nicht möglich (Vers 21). Wie erhielt der Dämon Zugang zu dem Kind? Waren die Eltern mit ihm an einem Ort gewesen, wo diese Praxis gang und gäbe war? Wer mit Dämonen umgeht und verkehrt, muss mit tragischen und verheerenden Konsequenzen rechnen - für sich persönlich und für seine ganze Familie, teils über Generationen hinweg (2. Mose 20,5; Jeremia 31,29f). Der verzweifelte Schrei des Vaters signalisiert, wie sehr die ganze Familie litt. Jedes Mittel war für die Familie legitim, damit ihr Hoffnungsträger, der einzige Sohn (Lukas 9,38), geheilt wird. Denn die Fortsetzung der Nachkommenschaft durch viele Söhne war im Alten Testament ein Zeichen des Segens. Dies nicht realisieren zu können, weist auf einen Fluch über der Familie hin. Davon wollte der Vater frei werden. Darüber hinaus wird die Bekehrung des Vaters zu Jesus Christus auch sichtbare Auswirkung auf sein Kind haben.

Schreiend bekennt der Vater öffentlich, dass er zuvor ungläubig war. "Hilf meinem Unglauben!" Nun glaubt er an Jesus und dessen Vollmacht. Dadurch wird Jesus auf einzigartige Weise den Vater in die Gemeinschaft mit ihm zurückholen. Das veranlasst Jesus, dem bösen Geist direkt zu befehlen: "Du sprachloser und tauber Geist, ich befehle dir: Fahre aus von ihm und fahre nicht mehr in ihn hinein!" (Vers 25)

Heiliger Geist versus böser Geist! Mit aller Entschiedenheit und Vollmacht befiehlt Jesus dem bösen Geist, nie mehr in den Jungen zurückzukehren. Welch eine sonderbare Schutzzusage, die Jesus dem Jungen macht!

Praktische Konsequenzen
Wichtig für den Dienst am Evangelium ist zu wissen, dass es bis heute im Orient verbreitet ist, in vielen Situationen nach Amuletten und anderen Zaubereien zu greifen. Das beginnt mit dem Kinderwunsch; oder Frauen, die bisher „nur“ Mädchen haben, greifen zu solchen Methoden, um sicherzustellen, dass es ein Junge wird. Angeblich kann Magie Zwietracht zwischen Mann und Frau beseitigen. Außerdem soll der Zauber helfen, Reichtum zu erlangen und zu vermehren.

Wenn wir also bei der Taufe über dem Kind den Namen des dreieinigen Gottes ausrufen und es Christus weihen, darf auch in einer postmodernen Gesellschaft dieser Aspekt der Gemeinde, den Eltern und den Paten bewusst gemacht werden. Die Macht Jesu Christi über Kindern auszurufen, bedeutet mehr als eine symbolische Handlung oder Kinder mit dem Wasser in Berührung zu bringen. Wenn Jesus sagt: „Mir ist gegeben alle Macht“, gilt dies eben auch für die Macht über den Teufel und die dämonischen Kräfte, die nicht nur im Orient, sondern auch hierzulande über Menschen herrschen.

Folgendes Beispiel ist kein Einzelfall in meinem langjährigen seelsorgerlichen Dienst: Eine Nordafrikanerin erzählte uns im Taufunterricht, wie sie überhaupt zur Entscheidung kam, sich taufen zu lassen. Acht Jahre lang hatte sie unter den Auswirkungen einer magischen Handlung gelitten. Nach ihrer Ankunft in Deutschland besuchte sie eine christliche Gemeinde. Sie verstand zwar nichts, aber sie fühlte sich unter den Menschen dort wohl und empfand eine unbeschreibliche innere Ruhe. Sie bekam im Anschluss an den Gottesdienst ein arabisches Neues Testament. Je länger sie darin las, desto mehr merkte sie, wie sie von den satanischen Fesseln nach und nach befreit wurde. Je näher sie Jesus kam, seine Worte zu Herzen nahm und seine Vollmacht in ihrem Leben spürte, umso freier wurde sie. Durch die Taufe besiegelte sie dann endgültig ihren Sieg über diese langjährige Tragödie.

Gebet 
Du unveränderlicher Herr! Wir glauben, dass Du unseren Glauben beleben kannst, damit die stummen und tauben Geister keine Macht über an uns finden; ja, dass wir Menschen zu Dir bringen, wie jener Vater seinen Sohn zu Dir brachte, damit sie Befreiung und Heilung erfahren. Heiliger Geist, hilf uns als Kirche und als Einzelne um Christi willen, dass wir zum Sprachrohr für unser Umfeld werden und Menschen durch dich heil werden.