40 Tage ohne: Quarantäne oder „Mit Freude fasten“?

40 Tage war Mose auf dem Berg,
40 Tage wanderte Elia zum Berg Horeb,
40 Tage und Nächte fastete Jesus in der Wüste, bevor er hungrig wurde.
Da kam der Teufel, um ihn dreifach zu versuchen.
Jesus aber durchschaute es; ganz bewusst fügte er sich während seiner Quarantaine (frz.: 40 Tage) in sein Abhängigsein von Gott und spürte deshalb, was richtig war.

Quarantäne kann schon als „wüst“ empfunden werden; selbst wenn man gesund ist.
Schaffe ich das, was Jesus vorgelebt hat?
Angst und Unsicherheit breiten sich aus, laute Schlagzeilen erschlagen einen.
Ich fühle mich hilflos. Ausgeliefert. Schreckensszenarien spuken durch meinen Kopf.
Was wäre, wenn Mama oder Schwiegermama oder Freundin X oder Nachbar Y…? Angst und Unsicherheit haben mich teuflisch in ihren Klauen.
Ich atme verkrampft. Es atmet nicht mehr in mir.
Angst und Unsicherheit: zwei Versuchungen.
Und dabei glaube ich doch. Wirklich? Glaube ich wirklich? Oder zweifle ich?
Lieber Gott, hilf meinem Unglauben, der über Angst und Unsicherheit spürbar wird!
Ich brauche Dich! Hilf mir, bitte!
Hilf mir aus dem Gefühl ausgeliefert zu sein heraus!
Eingeschränkt von viraler Bedrohung, Ausgangsschranke und Betretungsverbot.
Bitte segne meinen Weg durch Angst und Unsicherheit, durch das Dunkel.

Aber bin ich eigentlich wirklich ausgeliefert?
Wem oder was und warum?
Brauche ich das Shoppen, Küsschen links und rechts, die Osterreise, den Cappuccino in der Stadt, die Familienfeier, das Stöbern im Laden, enge Strukturen, einen randvollen Terminkalender, immer mehr, immer schneller, immer hektischer?
Spüre ich mich nur dann? Bin ich gar süchtig danach?
Ich erschrecke.
Das ist sie also: die dritte Versuchung…oh mein Gott, fast hätte ich Dich verlassen.
Gott, bitte wende meine Süchte, meine Abhängigkeit von Struktur, Gewohnheit und: meine Kontrollsucht. Bitte wandle Du sie in Hoffnung, in Vertrauen, in Liebe.
Ich schäme mich; für meinen Unglauben.

Es wird heller. Nicht mehr in die Ferne zu fahren bedeutet, eine Reise ins Innere antreten zu können. Gott hilft mir beim Erkennen:
Alles, wirklich alles, was ich wirklich brauche, bekomme ich geschenkt:
Augen, Ohren, Fühlen, Riechen, Schmecken, Denken, Luft, Wasser und Nahrung.
Und noch viel, viel, viel mehr habe ich:
Familie, Wohnung, Heizung, Freunde, Licht, Strom, Musik, Frühlingsblüten.
Und ich werde geliebt. Unter Gottes Schutz.
Ihn brauche ich wirklich - lebensnotwendig.
In die Abhängigkeit von ihm begebe ich mich freiwillig. Sein Wille geschehe.
So halte ich Quarantäne aus. Und zwar gerne.

40 Tage ohne.
Mein Gott, bin ich reich.

Judith Jaud, 23. März 2020