Evangelische Stiftskirche Stuttgart

Mitten im Leben

Gedanken zur Jahreslosung 2020 von Franziska Stocker-Schwarz (August 2020)

Ein starker Gebetsruf

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben! “ (Markus 9,24) ist ein Gebet, das mir wohl vertraut ist. In großer Not trägt diese Bitte.

Der Kontext dieses Kurzgebets zeigt: Es wird von einem Vater erzählt, dessen Kind zunächst gut heranwuchs. Doch dann bekam es eine unheimliche Krankheit. Der kleine Junge war so schwer erkrankt, dass seine Entwicklung gefährdet war. Sein Sprachvermögen war blockiert. Sein seelisches Empfinden konnte sich nicht ausbilden. Nach und nach war der kleine Junge für nichts mehr ansprechbar. Das Krankheitsbild kennt man heutzutage von epileptischen Anfällen her.

Diese Krankheit gefährdete sein Leben. Die Krampfanfälle, der Schaum vor dem Mund… die Anfälle waren unheimlich und angsterregend. So wie damals Haus und Hof gebaut waren, lauerten überall Gefahren. Die offenen Feuerstellen im Haus oder im Hof waren keineswegs TÜV-geprüft. Es gab keine Kindersicherungen. Der Brunnen war tief. Überall konnte er hineinstürzen. Heute erleben so erkrankte Menschen eine Vielzahl von Hilfen.

Unglück kommt selten allein

Aber dass Erkrankungen eine Kette von Nöten nach sich ziehen, ist heute wie damals erfahrbar.

Da sind die unangenehmen Behandlungsweisen, deren man sich unterziehen muss. Alle gute Versorgung in unseren Krankenhäusern kann den Patienten die oft so strapazierenden und zermürbenden Behandlungsmethoden nicht ersparen.

Krankheit geht oft auch einher mit großer Einsamkeit. Wie einsam kann man im Krankenzimmer sein, selbst wenn man in seinem Bett mitten im schaffigen Betrieb eines Krankenhauses liegt. Der Betrieb des Krankenhauses läuft, für gute Worte ist oft wenig Zeit.

Lange Krankheitszeiten haben nicht selten auch eine Verschlechterung der Arbeitssituation zur Folge. Manche verlieren sogar ihren Arbeitsplatz.

Das Krankenhaus zu verlassen, ist eine unvergessliche Erfahrung. Am Entlassungstag fühlt man sich regelrecht befreit. So lange war man im sterilen Zimmer und in den weißen Wänden wie gefangen. Man sieht wieder bunte Farben. Man kann frische Luft atmen.

Aber auch zu Hause ist es meistens nicht einfach, mit einem Langzeitkranken umzugehen. Die Familienmitglieder müssen sich neu finden. Mann und Frau und Kind müssen sich neu auf einander einstellen. Es ist ein mühsamer Weg.

Jesus hat die Vollmacht, aus diesem schweren Tal herauszuhelfen

Doch genau hier will uns der Gebetsruf Mut machen. Daher wird vom Evangelisten Markus diese Geschichte sehr ausführlich festgehalten, worin so viel Unglück zusammenkommt. Es wird deutlich herausgearbeitet, dass weder der von Krankheit Betroffene noch sein Vater etwas dafürkönnen, dass dieses Unglück über sie hereingebrochen ist.

Keiner kann etwas dafür

So wird der Vater wird zum Lehrmeister des Notrufs. Das unterstreicht der Evangelist Markus.

Er betont die Vollmacht Jesu. In Jesus kommt die Schöpfermacht Gottes zu den Menschen. ER, der Lebendige, hört unseren Notruf. Gerade wenn uns das Wasser bis zum Hals steht.

„Und wenn die Welt voll Teufel wär‘ und wollt‘ uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie sau’r er sich stellt, tut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht‘; ein Wörtlein kann ihn fällen.“ (Martin Luther)


Franziska Stocker-Schwarz,
Leiterin Württembergische Bibelgesellschaft und bibliorama – das bibelmuseum stuttgart

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